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Frankfurter Neue Presse, 09.02.2017

Lazarus-Fonds Von Königstein aus: Förderung von Lepra-Projekten in Asien und Afrika

Lazarus bedeutet: „Gott hat geholfen.“ Der gleichnamige Königsteiner Verein unterstützt ihn tatkräftig im Kampf gegen eine Krankheit, die im Westen als „vergessene“ bezeichnet wird: Lepra. Derzeit werden mit Hilfe von Spendengeldern in Myanmar unter anderem Brunnen gebohrt und Toiletten gebaut. Beides erleichtert das Leben der Betroffenen enorm.

Königstein. 

Der Valentinstag am 14. Februar oder der Weltfrauentag am 8. März – das sind Daten, die vielen Deutschen geläufig sind. Aber der 29. Januar? Seit 1954 ist dies der Welt-Lepra-Tag. Weder von diesem Jahrestag noch von dem damit verbundenen Leiden selbst wird hierzulande viel Notiz genommen.

Es treten lediglich vereinzelte Fälle in der Bundesrepublik auf, zu weit weg scheint das Schicksal der rund 200 000 Menschen, die sich weltweit jedes Jahr neu infizieren. Warum sich der in Königstein ansässige St. Lazarus-Fonds Europe trotzdem für den Kampf gegen „die vergessene Krankheit“ einsetzt? „Wenn man sie einmal gesehen hat und weiß, dass man helfen kann, kann man nicht mehr anders“, sagt der stellvertretende Vorsitzende und Arzt, Dr. Thomas Gille. Filme aus der Leprakolonie Loilem in Myanmar machen seine Aussagen leicht nachvollziehbar.

Der Ursprung der Organisation reicht bis ins Jahr 1950 zurück. Damals gründete Bischof George Carroll die erste katholische Hilfseinrichtung für Leprakranke bei Seoul in Korea, das St. Lazarus Village. Hyung-Kun Peter Chung besuchte es 1998 und wurde von dem Einrichtungsleiter Pater Cho um Mithilfe gebeten: In den USA und Japan gab es schon ähnliche Projekte, die den Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe für Leprakranke im Geiste der koreanischen Einrichtung in die Welt trugen. In Europa noch nicht. 2001 gründete Chung den St. Lazarus-Fonds Europe, seither hat Karl Kardinal Lehmann die Schirmherrschaft inne.

Chung hat beruflich erfolgreich seinen Weg gemacht, seine Familie ist gesund: „Ich wollte etwas zurückgeben“, erklärt er seine Motivation, Zeit, Kraft und Engagement in das St. Lazarus-Projekt zu stecken, das er anfangs allein aufgebaut hat. Der Verein hat lediglich rund 30 Mitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind und auf jegliche Form der Vergütung und des Aufwandsersatzes verzichten. Viele von ihnen arbeiten oder leben in Königstein. Alle zwei Jahre organisiert das Team eine große Benefizveranstaltung in der Oper Frankfurt.

Stiftung geplant

Rund 350 000 Euro an Spenden konnten seit 2001 bereits gesammelt werden. Es entstehen keine Kosten, jeder Euro fließt ohne Abzüge in die Leprahilfe. Gerne würde der Verein noch aktiver sein, die personellen Ressourcen setzten da bisher aber noch Grenzen: „Wir können Hilfe gebrauchen, es gibt genug Aufgaben“, sagt Chung.

Zumal der Verein in diesem Jahr in eine Stiftung umgewandelt werden soll, um noch breiter aufgestellt zu sein. So könnten unter anderem dauerhaft größere Beträge zur Verfügung gestellt und das Tätigkeitsfeld erweitert werden, erklärt Erik Opper, im Verein für Fundraising und Pressearbeit verantwortlich.

Der Schwerpunkt der Tätigkeiten des St. Lazarus-Fonds Europe liegt in Südasien und Afrika. Wie viel Arbeit noch auf die Helfer wartet, zeigt sich in Myanmar. Dort gibt es laut Weltgesundheitsorganisation rund 3000 neue Leprafälle pro Jahr – mit steigender Tendenz, obwohl Lepra seit 1982 als heilbar gilt. 2013 trat der Erzbischof von Taunggyi in Myanmar an den Fonds heran und bat um Unterstützung für die bereits 1938 gegründete Leprakolonie Loilem in seinem Bistum. In den fünf Dörfern leben insgesamt 800 Menschen in Familienverbünden. Etwa 200 von ihnen sind an Lepra erkrankt. Aufgrund der gesellschaftlichen Ausgrenzung und des abgelegenen Standorts müssen sich die Bewohner weitgehend selbst versorgen.

In den Dörfern haben sich Komitees gegründet, die gemeinsam beraten, welche Hilfe wo am sinnvollsten ist. Der St. Lazarus-Fonds arbeitet mit der Caritas Myanmar zusammen, Vereinsvertreter fahren aber auch regelmäßig selbst nach Loilem. „Der Staat hat die Kolonie alleingelassen“, antwortet das aktive Vereinsmitglied Daniel Tögel auf die Frage, ob von diesem Hilfe zu erwarten sei. Das habe den Vorteil gehabt, dass die Dörfer nicht in Kriegshandlungen verwickelt worden sind. Aber es habe eben auch keine Unterstützung gegeben.

Nachhaltiges Projekt

Derzeit wird in Loilem der Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft unterstützt. Es wurden unter anderem Avocado- und Mangobäume gepflanzt und ein Teich angelegt, in dem sich mittlerweile rund 3000 Fische tummeln. Die ersten werden bald groß genug zum Fangen sein. Zudem wurden mehrere Brunnen gebohrt, weitere sollen in diesem Jahr folgen. Ein weiteres Projekt steht gerade am Beginn und zeigt, mit welchen Problemen die Betroffenen zu kämpfen haben: Die Hocklatrinen sind nicht nur unhygienisch, sondern für viele Kranke und Behinderte schlicht kaum zu nutzen – zumal sie oft weit von den Unterkünften entfernt sind. 2017 sollen die Häuser im Hauptdorf um einen Toilettenanbau mit Sitztoilette erweitert werden. Den Bewohnern soll außerdem ein besseres Hygieneverhalten vermittelt werden.

 

Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für die nächste Benefizveranstaltung in der Oper Frankfurt, die im Januar 2018 stattfinden wird. Weitere Infos zu den Projekten sind im Internet auf www.lazarus-fonds.com abrufbar. Die Daten des Spendenkontos: Deutsche Bank AG Königstein, IBAN: DE42 5007 0024 0475 3646 00, BIC: DEUTDEDBFRA.