2015: Loilem, Myanmar

Reisebericht

Hyung – Kun Peter Chung, Thomas Gille, Lukas Weil, Daniel Tögel 
St. Lazarus -Fonds Europe e.V.

Reise zur Leprakolonie Loilem, Myanmar

Eine Reise nach Burma, das seit 1989 offiziell Myanmar heißt, und dort vor allem in die abgelegenen Regionen, ist auch heute noch ein kleines Abenteuer. So sind wir am 27. November 2015 als Vertreter des St. Lazarus-Fonds Europe von Frankfurt aus über Bangkok und einen Tag später eine Delegation der Schwesterorganisation St. Lazarus Korea mit Direktflug aufgebrochen, um uns in der früheren Hauptstadt und heute noch wichtigsten Stadt Mynamars, Yangon (Rangun) im Süden des Landes zu treffen. Gemeinsam wollten wir das  Myanmar-Landwirtschafts-und-Lebenshilfe-Projekt (MLLP) in der Lepra-Kolonie Loilem in der Provinz Shan (Shan Staat) mit den Verantwortlichen vor Ort besprechen und gemeinsam planen.
 
Bei der spätabendlichen Ankunft in Yangon (Zeitverschiebung mit Deutschland + 5 1/2 Stunden) fielen uns bei der Taxifahrt in das Hotel neben dem hektischen Straßenverkehr der Millionen-Metropole die zahllosen kleineren und großen Baustellen auf - Zeichen eines Umbruchs nach der Öffnung des Landes vor wenigen Jahren nach jahrzehntelanger völliger Isolation unter der Militärdiktatur. Die Menschen des Landes setzen große Hoffnungen auf die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Su Kyi, deren Partei die Parlamentswahlen Anfang Dezember 2015 deutlich gewinnen konnte; ein starker Einfluss des Militärs bleibt dennoch erhalten.
Aufgrund einer völlig veralteten Verkehrsinfrastruktur sind größere Distanzen im Land, das flächenmäßig doppelt so groß ist wie Deutschland, nur mit dem Flugzeug in angemessener Zeit zu überbrücken. Am frühen Morgen des nächsten Tages ging es deshalb nach Ausstellung eines handschriftlichen Tickets in einer turbulenten altertümlichen Abflughalle mit einer Propellermaschine mit Zwischenlandung in Bagan weiter nach Heho, ca. 700 km nördlich von Yangon gelegen. Die dortige Gepäckausgabe verläuft per Hand auf eine Laderampe des kleinen Flughafengebäudes, das gleichzeitig An- und Abflugbereich, Check-in-Schalter, Gepäckabwicklung sowie Polizei- und 

Zollkontrolle beherbergt. Die Sicherheitskontrollen werden eher lässig durchgeführt.  
Nach Begrüßung durch Pater Peter Than, dem Regionalleiter der Sozialeinrichtungen der Erzdiözese Taunggyi, brachen wir vom Flugplatz auf, ostwärts zu unserer Unterkunft im Priesterhaus in Taunggyi, einer ca. 200.000 Einwohner großen Stadt auf 1400 m Seehöhe. Die einstündige, kurvenreiche Fahrt über holprige Straßen war abenteuerlich. Auf der Fahrt fallen die vielen kleinen aus Holz und Wellblechen improvisierten Verkaufsstände auf, die in ungeordneter Reihe den unbefestigten staubigen Straßenrand säumen; nicht selten leben dort auch die Menschen in ärmlichen Hütten am direkten Straßenrand. Häufig sind die offenen Feuerstellen, nicht mehr als ein kleines Lagerfeuer zwischen zwei Backsteinen, zu sehen, auf denen die Mahlzeiten zubereitet werden. Die Landschaft hier ist rein landwirtschaftlich geprägt, mit kleinen waldbedeckten steilen Hügeln und sehr dünn besiedelt. 
Im Priesterhaus von Taunggyi, welches auch als Sitz des Erzbischofs dient, fand nach einem Mittagessen ein erstes Treffen mit Pater Than und seiner Arbeitsgruppe sowie dem Projektleiter des von St. Lazarus zu finanzierendem Hilfsprogramms für die Kolonie der Lepra-Kranken in Loilem (MLLP) statt. Im Anschluss daran wurden als Sofortmaßnahme zur ersten Verbesserung der Lebenssituation in einem örtlichen Ladengeschäft auf Empfehlung von Pater Than 80 Handtücher und 50 Tagesdecken für die Lepra-Kranken in Loilem eingekauft.
 

Das Myanmar-Landwirtschafts-Lebenshilfe-Projekt:
Da die bisherige Versorgung der ca. 800 Bewohner der Kolonie neben kleinem Gemüse-, Obst- und Getreideanbau nur durch teuren Ankauf von Lebensmitteln in großem Umfang, welcher durch „Caritas Korea“ finanziert wird, auf niedrigem Niveau sichergestellt werden kann, soll das Projekt im Einzelnen folgende Teilgebiete umfassen:
•    Anlegen von Plantagen für den Anbau von Avocado, Mango, Drachenfrucht.  Dabei wird eine Fläche von ca. 12 ha zu bewirtschaften sein. Verwendung der Ernten zur Sicherstellung der Eigenversorgung und Erzielung von Gewinnen durch Verkauf von Produktionsüberschuss
•    Ankauf von Jungvieh und Aufzucht in neu zu erstellenden Ställen, z.B. für 30 Schweine, die nach entsprechender Zeit für die Siedlungsgemeinschaft verwendet werden oder auch mit Gewinn auf Märkten der Region verkauft werden
•    Anlage eines großen Fischteichs, in dem 20.000 Fische aufgezogen werden; hier ist bereits nach einem Jahr mit einem gutem Ertrag zu rechnen, da die Fische schnell wachsen

Bei allen Projekten werden die Bewohner der Lepra-Kolonie in die Planung, Durchführung der Arbeiten und vor allem in die Weiterführung mit Betreuung der Plantagen, der Felder und Tiere eng einbezogen; dies wird durch Bildung von Arbeitsgruppen unter Leitung von Bewohnern selbst erzielt, wobei das ganze Projekt neben den sozio-ökonomischen Verbesserungen und Stärkung der Unabhängigkeit der Kolonie von Nahrungsmittelankäufen vor allem auch das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortlichkeit der Lepra-Kranken gestärkt werden soll.  
Die Durchführung des MLLP steht unter der Verantwortung der Sozialorganisation KMSS der Erzdiözese Taunggyi, die die Betreuung der Lepra-Kolonien gewährleistet. In Quartalsintervallen wird über den Fortschritt der Arbeiten, die Bildung der Arbeitsgruppen und auch über deren Schulung unter fachlicher Anleitung durch Experten der Landwirtschaft berichtet werden; zudem wird durch einen Beauftragten des St. Lazarus-Fonds, der in Myanmar lebt, ebenfalls in festen Intervallen über die Entwicklung des umfangreichen Projektes berichtet. Somit ist gewährleistet, dass die vom St. Lazarus-Fonds Europa und St. Lazarus-Fonds Korea zur Verfügung zu stellenden Gelder zur Deckung der Kosten des MLLP in Höhe von $ 80.000 zielgerichtet verwendet und direkt der Lepra-Kolonie Loilem zu Gute kommen.
 
Um die Situation besser beurteilen zu können und das Projekt MLLP auf seine Durchführbarkeit vor Ort zu prüfen, reisten wir von Taunggyi weiter nach Loilem, was wiederum eine Fahrt von ca. drei Stunden über schlecht ausgebaute enge Landstraßen bedeutete. 
Der Verkehr ist in der hier sehr bergigen Region wie auch in weiten Teilen des Landes geprägt von zahllosen Mopeds oder klapprigen Motorrollern, die nicht selten mit drei bis fünf Mitfahrern oder Türmen von Gepäck beladen sind. 

Daneben sieht man kleine Lastwagen, deren Ladefläche zum offenen Passagiertransport umfunktioniert oder mit Säcken und Paketen heillos überladen sind. Insgesamt wirkt der Straßenverkehr völlig dereguliert, Verkehrsschilder sind Raritäten, Ortsbezeichnungen fehlen oder es finden waghalsige Überholmanöver statt, die durch eine ungewöhnliche Art der Kommunikation mittels Blinkern und Lichtzeichen per Lichthupe dem übrigen Verkehr vermittelt werden. 
 
Bei unserer Ankunft  in der Kleinstadt Loilem wurden wir in Begleitung von Pater Peter Than als Regionalleiter aller Einrichtungen für Lepra-Kranke der Diözese Taunggyi von Erzbischof Matthias begrüßt und vom örtlichen Pfarrer weiterbegleitet zur St. Joseph-Leprakolonie Loilem. Diese wurde in 1938 durch einen italienischen Ordensgeistlichen ca. fünf Kilometer außerhalb des kleinen Ortes Loilem begründet. Aus der Distanz betrachtet in landschaftlich schöner Lage zwischen bewaldeten Hügeln gelegen, besteht die Kolonie aus mittlerweile fünf räumlich voneinander getrennten Dorfgemeinschaften. Geleitet wird die Kolonie von Pater Alfred, einem katholischen Priester mit indischen Wurzeln, gemeinsam mit vier Ordensschwestern. Unterstützt werden sie dabei von mehreren Helfern aus der Gemeinschaft der Lepra-Kranken. Der Empfang im äußerst bescheiden ausgestatteten Priesterhaus war sehr herzlich, man ist offenbar sehr dankbar, dass den Menschen der Kolonie geholfen werden wird. Durch die Ordensschwestern wurden wir im Verlauf der weiteren Tage vor Ort, gemessen an den örtlichen Gegebenheit, aller bestens versorgt. 
An unserem ersten Tag in der Kolonie Loilem konnten wir zunächst einen bereits vom St. Lazarus-Fonds Korea finanzierter Brunnen mit Pumpanlage und Wasserspeichern besichtigen; hier ist ein erster Grundstein zur Versorgung der Bewohner im Hauptdorf der Kolonie gelegt worden, allerdings besitzt das Wasser keine Trinkwasserqualität, weshalb in einem zweiten Schritt eine entsprechende mehrstufige, vom Konstruktionsaufwand aber relativ einfache Filteranlage, ergänzt werden soll, bevor das Wasser dann auf die ebenfalls noch zu erstellenden Wasserspeicher für jedes Haus mittels Rohrleitungen verteilt werden wird. 
 
Zwei weitere solcher Wassergewinnungs- und Versorgungsanlagen werden durch die Bereitstellung von Spendengeldern des St. Lazarus-Fond Europe für 

den einen bzw. durch eine großzügige Einzelspende für den zweiten Brunnen finanziert und in den nächsten Monaten errichtet werden; die Kosten betragen pro Brunnen- und Verteilungsanlage ca. $ 11.000.
 
Auch das Gelände des geplanten Fischteichs im Projekt MLLP haben wir in Augenschein genommen, wobei es sich hier um ein Feuchtgebiet in einer Senke handelt, in der sich während der Regenzeit Wasser sammelt; zur Nutzung als Fischteich muss der Bereich allerdings deutlich vertieft und gegen unkontrollierten Wasserverlust gesichert werden. Die zur Betreuung der Fischzucht eingesetzten Kolonie-Bewohner werden in Seminaren fachlich geschult, um den langfristigen Erfolg der Investition zu sichern; auch muss die Teichanlage umzäunt und bewacht werden, um wilde Fischerei aus dem Umkreis der Kolonie zu verhindern.  
Dorfnah sollen im Rahmen des Projektes die neuen Ställe für 30 Schweine errichtet werden, der vorhandene viel zu kleine baufällige Stall muss dabei weichen. 
  
Im Rahmen des weiteren Dorfrundgangs besichtigten wir dann das Lagerhaus, wobei Pater Alfred die Zuteilungen für die Lepra-Kranken und deren Angehörige, die zum Teil auch mit in die Kolonie gezogen sind, erläuterte.
 
Beim Besuch des Kindergartens trafen wir artig auf einfachen Bänken sitzende Kinder, die gerne und lautstark den Besuchern das Alphabet vorsprachen, gefolgt vom Zählen 1 - 10. Auffallend war hier die sehr arme Ausstattung des einfachen Steinhauses, die lediglich aus wackligen Holzbänken und Tischen besteht. An den nackten Steinwänden fanden sich einige wenige Bilder. Pater Than berichtet über die Dringlichkeit der Anschaffung von Spielgeräten für die Kinder, schon ein einfaches Rutschauto wäre hier ein Ereignis. Der Spielplatz auf staubigem rotbraunem Lehmboden besteht aus wenigen in die Erde eingelassenen alten Autoreifen, zwischen denen die zumeist barfüßigen Kinder spielen können. Trotz allem wirkten die Kinder doch fröhlich und nicht unzufrieden. 
 
Der anschließende Besuch von Leprakranken, die jeweils allein oder bis zu vier Personen in einem einfachen Steinhaus mit Wellblechdach ohne Wasser und Strom leben, zeigt die ganze Tragik der Lepraerkrankung. Auf dem nackten 

Boden kauernd oder auf der Holzpritsche, neben einem kleinen Schränkchen das einzige Möbelstück im Raum, werden die Erkrankten mit zum Teil schwersten Zeichen nach fortgeschrittener Lepraerkrankung angetroffen, wie Verlust von Gliedmaßen, Immobilität durch Lähmungen und Gesichtsentstellungen, mit Erblindung oder Taubheit. Diese Patienten sind oft in Lethargie und Resignation verfallen, andere weniger schwer erkrankte Patienten sind auch durchaus fröhlich bei kleineren Arbeiten um ihre Häuser zu sehen. Soweit möglich, versorgt sich eine Hausgemeinschaft selbst durch Nahrungszubereitung auf einer einfachen Feuerstelle auf dem Boden hinter dem Haus; die durch Erkrankung schwerstbehinderten Dorfbewohner werden aber durch Essenslieferung von den Ordensschwestern versorgt. Nach einer abschließenden Besprechung der bisher Projektteile fuhren wir zurück nach Loilem, wo wir auf dem Gelände des dortigen Priesterhauses die Nacht in zellenartigen Räumen mit nackten Wänden auf einfachen Holzliegen verbrachten. Als besonderen Komfort wurde den Reisenden am Morgen dann ein Eimer heißes Wasser vor die Tür gebracht, damit das vorhandene fließende Kaltwasser im Waschraum der Schlafkammer auf eine angenehmere Temperatur gebracht werden konnte. Nachts können die Temperaturen zu dieser Jahreszeit auch bis auf ca. 10 Grad fallen, wobei es im Allgemeinen in weiten Gebieten Myanmars, wie auch in der Unterbringung der Reisegruppe, keine Heizung in den Häusern oder Zimmern gibt. 
Am Vormittag des zweiten Tages in der Lepra-Kolonie Loilem fand vor dem Lagerhaus die wöchentliche Ausgabe von Nahrungsmitteln und Dingen für den alltäglichen Bedarf, z.B. Seife und Zahnbürsten, statt. Dazu kommen die gehfähigen Bewohner direkt zur Ausgabe, diejenigen, die nicht mehr selbst kommen können werden von freiwilligen Helfern zuhause beliefert. Später erfolgt auch die Ausgabe von ca. 10 kg Reis pro Person. Auch wurden in diesem Zusammenhang die auf Anregung von Pater Than hin erworbenen Artikel (Handtücher, Tagesdecken und auch Schuhe) von uns verteilt. Die Bewohner der Siedlung nutzen offenbar diese Ausgabetermine für Treffen und Gespräche, bald herrschte eine lebhafte Stimmung und manches Paar neuer Schuhe wurde untereinander getauscht. Wir konnten die große Dankbarkeit in den Gesichtern der Menschen sehen.

Zum Mittagessen wurden wir vom Gemeindepfarrer Loilems an einen kleinen Teich eingeladen, wo er zur Eigenversorgung eine bescheidene Fischzucht betreibt; auch hier wurde wieder mit einfachen Mitteln eine großzügige Mahlzeit bereitet. Auf dem Rückweg ins Dorf wurden von einer kleinen Anhöhe aus durch Pater Than die umliegenden Landflächen, auf denen die jeweiligen Obstplantagen und Felder im Rahmen des Hilfsprojektes angelegt werden sollen, gezeigt. Man konnte sich davon überzeugen, dass die Kolonie über ausreichenden Landbesitz verfügt, um alle geplanten Einzelpositionen des Projekts verwirklichen zu können. Darüber hinaus wird von Pater Alfred, dem Leiter der Leprakolonie, dargelegt, dass die Ländereien der Dorfgemeinschaft auch in irgendeiner Weise land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden müssen, weil die ungenutzten Flächen sonst von staatlicher (hier gleichzusetzten mit militärischer) Seite zwangsenteignet werden.
Der weitere Rundgang führte in ein Dorf der Kolonie, das überwiegend von Leprakranken buddhistischen Glaubens bewohnt wird und die eine Betreuung durch die christliche Leitung bisher nicht akzeptierten. So wurden bislang leider Empfehlungen zur Verbesserung der Lebensweise ignoriert und viele Kinder statt in Kindergarten oder Grundschule zum Betteln geschickt. Pater Alfred erklärte uns, dass die Bewohner sich in letzter Zeit doch deutlich aufgeschlossener zeigten und besser kooperieren würden. Dieses Dorf soll jetzt auch Standort einer weiteren Brunnenanlage zur Gewinnung von Brauch- und Trinkwasser werden, ebenfalls finanziert vom St. Lazarus-Fonds Europe. Wir trafen uns in einer der auf Stelzen stehenden Holzhütten mit einem Ehepaar, beide mit deutlichen Folgeschäden der Lepra-Erkrankung. Im von Pater Than übersetzten Gespräch wurde deutlich, dass die Menschen sich in diesem Kolonieteil eine wesentliche Verbesserung ihrer Versorgung durch diesen Brunnen erhoffen; bisher muss das Wasser in Eimern über große Entfernungen herangeschleppt werden, was den geschwächten Menschen und den Kindern sehr schwer fällt. 
 
Während der Rückfahrt ins Priesterhaus nach Loilem und während des Abendessens haben wir noch viel über die Eindrücke des Tages und über die Realisation des MLLP diskutiert, wobei die professionelle Planung und Durchführung durch die Beteiligten vor Ort ganz deutlich wurde und bei uns einen tiefen Eindruck hinterließ.
 
Für den dritten Tag hatte sich der betreuende Arzt aus Loilem, der die Kolonie monatlich besucht, angesagt. So standen die medizinischen Belange der Lepra-Patienten ganz im Vordergrund der Tagesaktivitäten der Reisegruppe. 

Schon lange vor Ankunft des Mediziners hatten sich die ersten Patienten an der Krankenstation des Dorfes eingefunden. Dort wurden nach geduldigem Warten Basisuntersuchungen wie Blutdruck- und Fieberkontrolle von einer der Ordensschwestern durchgeführt, während Sr. Catherine, die seit langer Zeit schon mit Lepra-Patienten lebt und arbeitet, Medikamente zur Behandlung von Akutbeschwerden, wie Schmerzen, Fieber oder auch erhöhtem Blutdruck ausgibt. Über die Tablettenausgabe führt die Schwester genau Buch. Die Ausstattung der Krankenstation besteht aus einem mit altertümlichem einfachen Mobiliar eingerichtetem Raum, alles zeigt starke Abnutzungserscheinungen; es gibt nur wenige medizinische Instrumente, auch diese sind von der häufigen Benutzung gezeichnet und werden nach jeder Behandlung durch Einlegen in abgekochtem Wasser gereinigt bzw. möglichst keimfrei gemacht. 
 
Der örtlichen Arzt aus Loilem traf in Begleitung von vier Krankenschwestern ein und hält zunächst eine kurze Ansprache, in der allgemeine Verhaltensweisen im Rahmen der Lepra erläutert werden; besonderen Wert legt er dabei auf einfache Dinge wie Handhygiene oder auch die Abstinenz von Alkohol. Im Anschluss daran beginnt auch die Behandlung der offenen Wunden der Lepra-Patienten, die durch die krankheitsbedingte Sensibilitätsstörung an Händen und Füßen schnell aus kleinen Verletzungen entstehen. Einige von uns beteiligten sich dabei aktiv mit Reinigen der Wunden und Anlegen frischer Verbände an den oft handtellergroßen und tiefen Wunden besonders der Füße, die oft ohne Zehen und in Fehlstellung im Rahmen der Lepra-Erkrankung geschädigt sind. Die Patienten zeigten sich sehr erfreut darüber, auch von neuen Helfern aus dem Kreise der Reisegruppe versorgt zu werden.
 
Als dann am frühen Nachmittag durch zwei eintreffende Angehörige der Ordnungskräfte vor in ca. 15 km entfernt stattfindenden  Rebellenkämpfen gewarnt wird wurden wir mehr oder weniger unmissverständlich zum Verlassen der Region aufgefordert und mussten den Besuch in der Lepra-Kolonie abrupt beenden. Die für den Folgetag geplanten weiteren Begegnungen und der gemeinsame Gottesdienst musste schmerzlicherweise abgesagt werden. So geht es dann in der rasch einsetzenden Dunkelheit wieder zurück nach Taunggyi, das doch in einem beruhigenden Sicherheitsabstand zu den Unruheregionen im Shan-Staat liegt. 
 
Am letzten Tag in der Region konnten wir Erzbischof Matthias einen Betrag in Höhe von 10.000 € als Startkapital für das Landwirtschaftsprojekt übergeben. Er hat es mit großer Freude und Dankbarkeit entgegen genommen.
Danach traten wir die Rückreise per Flug von Heho nach Yangon an, wo am Folgetag noch eine Audienz bei Kardinal Charles Bo, der erst in diesem Jahr als erster Bischof Myanmars in das Kardinalskollegium durch Papst Franziskus berufen wurde, vorgesehen war.
Im Empfangsraum, der nur ohne Schuhe betreten werden darf, wurden wir  sehr herzlich von Kardinal Bo, ebenfalls barfüßig, empfangen. In dem fast einstündigen Gespräch wurde ausführlich über die Lage der Christen im Allgemeinen und jetzt besonders nach dem politischen Umschwung in Myanmar gesprochen. Auch die Situation in den verschiedenen Lepradörfern im Land wurde erörtert und das große Projekt für die Kolonie in Loilem durch die Lazarus-Gruppe vorgestellt. 
Kardinal Bo zeigte sich sehr angetan von der Tätigkeit der Hilfsgruppe aus Deutschland und Korea und verspricht seine intensive Hilfe durch die Geistlichen vor Ort und ihre Mitarbeiter, um die Situation der Lepra-Kranken und ihrer Familien in Loilem nachhaltig zu verbessern. In diesem Sinne wünscht Kardinal Bo aus Yangon, Myanmar, der Benefiz-Veranstaltung des St. Lazarus-Fonds Europa am 23. Januar 2016 in der Oper Frankfurt ein gutes Gelingen und dass die Finanzierung des umfangreichen Projektes durch großzügige Spenden gesichert werde.

Von diesen guten Wünschen begleitet und mit vielen bleibenden Erinnerungen und Erfahrungen reisten wir schließlich von Yangon nach Frankfurt und Seoul zurück.



Dr. med. Gille, Facharzt für Innere Medizin
Vorstandsmitglied St. Lazarus-Fonds Europe

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